Die «neue Normalität»?

Frau Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga verkündete im Rahmen der COVID-19-Pressekonferenz vom 27. Mai 2020, dass wir lernen müssen, mit einer „neuen Normalität“ zu leben. Was bedeutet dies für mich und Dich? Was verstehen wir unter normal?


Im Wikipedia wird dies wie folgt definiert: Normalität bezeichnet in der Soziologie das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen. Es wird durch Erziehung und Sozialisation vermittelt.

 

 

So haben wir in unserer Kultur gelernt, dass, wenn wir jemanden treffen oder besuchen, die Begegnung mit einem Händeschütteln beginnt und genauso verabschieden wir uns damit. Dabei ordnen wir einem kräftigen Händedruck etwas Selbstbewusstes, Vertrauensvolles zu, wogegen ein schwacher Händedruck Unsicherheit und Angst ausdrückt. Ist die Hand schweissig oder trocken, fein oder rau? In den wenigen Sekunden des Händeschüttelns bzw. der körperlichen Verbundenheit bekommen wir eine Menge an Informationen.

 

Mit der «neuen Normalität» werden wir weiterhin angehalten, auf das Händeschütteln zu verzichten. Ein uns so vertrautes Ritual, das uns zudem noch wertvolle Informationen gibt, fällt weg. Oft habe ich den Eindruck, dass ohne Händeschütteln kein «richtiges Ankommen» und kein «richtiges Auseinandergehen» stattfindet. Dieses Verhalten ordne ich der «neuen Normalität» zu und wünsche mir, dass wir bald wieder zur «alten Normalität» zurückkehren können.

 

 

Anderseits hoffe ich, dass die «neue Normalität» uns auch wieder etwas bewusster leben und verhalten lässt. Dass wir unseren Mitmenschen mit Fairness und Anstand begegnen und eine gegenseitige Achtung gelebt wird. Sei dies im privaten Umfeld wie auch auf dem Arbeitsplatz oder wo wir uns immer aufhalten. So schaffen wir Voraussetzungen, die uns erlauben unsere Talente und Fähigkeiten zum Wachsen und Blühen zu bringen. Gelingt dies nicht, so braucht es Veränderungen (siehe g’plus Nr. 10/2020), die jeder für sich aktiv angehen muss! Wir unterstützen Sie auf dem Weg zur «neuen Normalität» und wünschen Ihnen gutes Gelingen.